Chronik

100 Jahre Männerchor Schmidshof 1925 - 2025

Seit der 75-Jahr-Feier des Männerchors Schmidshof, sind schon wieder 25 interessante Jahre vergangen. Grund genug, eine neue Chronik zu schreiben. Da aber WalterTschann zur 75-Jahr-Feier bereits eine ausführliche Chronik über die ersten 75 Vereinsjahre geschrieben hat, für die ich ihm an dieser Stelle herzlich danken möchte, beschränke ich mich auf das Ergänzen am Schluss dieser Chronik, bis zum heutigen Datum.

1925 bis 2000 (Zusammenfassung von Walter Tschann, Oppikon)

Am 26. August 2000, an der Schwelle des neuen Jahrhunderts und Jahrtausends, wird der Männerchor Schmidshof, gemeinsam mit 11 benachbarten Chören, mit einer Chornacht sein 75 -jähriges Bestehen feiern. Grund genug für einen Rückblick, hauptsächlich auf den Anfang dieser Epoche.

Im Frühjahr 1925 erhielt die Schulgemeinde Schmidshof eine neue Lehrkraft, die, so sagt es das Gründungsprotokoll, über ein ausgezeichnetes Musiktalent verfügte. So machten sich einige Männer daran, vor allem Robert Bartholdi, Sänger zu werben Herr Lehrer Engeler erklärte sich bereit, einen Chor zu dirigieren, Stimmenverhältnis zu, sofern ein brauchbares zustande komme. So entstand mit vorerst 16 Mitgliedern, im Juli 1925 im Restaurant Sonne Oberoppikon, der Männerchor Schmidshof. Die Gründer, von denen etliche Nachkommen dem Männ erchor angehörten oder noch angehören, seien hier erwähnt:

Ernst Schmitt                    Robert Bartholdi              Hans Füllemann               Josef Walser

Karl Wirz                            Oswald Vetter                   August Häni                      Theophil Schwarz

Willhelm Schwarz            Alois Lenzlinger                Jakob Kessler                    Paul Wellauer

Johann Bartholdi              Heinrich Hugentobler     Albert Wellauer                Meinrad Tschann

Der erste Vorstand setzte sich wie folgt zusammen:

Dirigent und Präsident:  Lehrer Engeler

Kassier:                              Robert Bartholdi

Aktuar:                               Ernst Schmitt

Beisitzer:                            Hans Füllemann und Albert Wellauer

Bereits an dieser Gründungsversammlung hatte man den Mut, die Mitwirkung an der diesjährigen Bundesfeier mit 2 Liedern zu beschliessen. Nach nur 3 Proben wurde dieser Vorsatz in die Tat umgesetzt. Das Mitgestalten der 1. Augustfeiern und auch das Holzsammeln für den Funken war dann viele Jahre Tradition. Schon in der 2. Versammlung, am 12. Februar 1925, im Restaurant Biene in Maltbach, wurden die 16 Artikel umfassenden Statuten angenommen. In den kommenden 3 Jahren bemühte sich der noch junge Verein mit verschiedenen Aktivitäten, besonders dem Artikel 1 der Statuten „Pflege des Gesanges und der Geselligkeit" nachzuleben. So wagte man bereits 1927 eine Abendunterhaltung mit Theater im Restaurant Ochsen in Bänikon, die aber laut Protokoll noch nicht auf das gewünschte Interesse stiess.

Noch im gleichen Jahr pilgerte man zu Fuss nach Affeltrangen um dort am 1200 Gäste umfassenden Sängerfest und am 100jährigen Jubiläum des Männerchores Affeltrangen mItzuwirken. Im Jahre 1928 wurde der bisherige Präsident und Dirigent, Lehrer Engeler, nach Diessenhofen gewählt.

Mit dem neuen Schmidshofer Lehrer Willi Stahl begann, nach gewissen Anfangsschwierigkeiten, eine sehr erfolgreiche und dauerhafte Ära der Männerchorgeschichte. Was allerdings die Demission des gesamten Vorstandes und somit auch des Dirigenten, anlässlich der Jahresversammlung 1929 auslöste, ist nicht bekannt. Allerdings wurde von da an die Aemterkumulation, Dirigent und Präsident, aufgehoben. Es liessen sich dann aber 2 der Demissionäre wieder wählen. Herr Albert Wellauer gleich als Präsident und Ernst Schmitt. Da keiner das Amt des Aktuars übernehmen wollte, wurde in einer Gesangsprobe, vom Präsident der bisherige, eben Ernst Schmitt, wieder dafür bestimmt. Er hat dann das Amt bis 1953, also 28 Jahre, inne gehabt und dabei 2 Bücher mit Protokollen geschrieben. Der bisherige Dirigent, Herr Stahl, konnte dann erst nach der Jahresversammlung 1930 und nur mit grösster Mühe, so das Protokoll, für die Weiterleitung des Chores wiedergewonnen werden.

Das Geld spielte im Vereinsgeschehen, den harten Dreissigerjahren entsprechend, in den ersten 25 Jahren eine nicht unwesentliche Rolle. Ein neu eintretender Sänger hatte, je nach Kassabestand, ein Eintrittsgeld zwischen 2 — 10 Franken zu entrichten. Obwohl man schon in den ersten Jahren eine Reisekasse mit freiwilligen Beiträgen und persönlichen Konten schuf, musste mehr als einmal eine Reise verschoben werden, weil es einzelnen Mitgliedern aus finanziellen Gründen nicht möglich war, daran teilzunehmen. So auch die erste 3-tägige Reise, die zwar für 1930 geplant war, aber dann erst 1931 ausgeführt wurde, Es war bereits damals eine Auslandreise, sie führte nach Innsbruck und München und kostete 130 Franken. Für eine nicht besuchte Probe mussten 50 Rp., fürs zu spät kommen 20 Rp. Busse bezahlt werden. Allerdings war der Einzug derselben eine mehr als mühsame Angelegenheit, die über Jahre hinweg mit schöner Regelmässigkeit im Protokoll auftaucht. Um der Kasse zusätzlich auf die Beine zu helfen, wurde auf die Abendunterhaltung 1933 die Passivmitgliedschaft eingeführt. Der Eintrittspreis betrug 1.50 Franken, die Passiven zahlten 2 Franker. An der Unterhaltung 1936/1937 wurde dann erstmals eine Tombola durchgeführt, was zusätzlich Geld in die Kasse brachte.

Im Herbst und Winter 1938 brach vielerorts die Maul- und Klauenseuche aus. Die bereits vorgesehene Abendunterhaltung, sowie die Proben mussten bis im Frühjahr 1939 sistiert werden. Kaum war dieser, für viele harte, Schicksalsschlag gebannt, begann der 2. Weltkrieg. Viele Sänger wurden an die Grenze gerufen. So konnte auch 1939 keine Abendunterhaltung stattfinden. Im November 1940 wurde dann nochmals eine Unterhaltung im Ochsen Bänikon durchgeführt. Erst nach Kriegsende 1945 veranstaltete man wieder einen Sängerabendmit Theater. Überhaupt war das Theaterspielen zusammen mit dem Singen eine sehr wichtige Angelegenheit, Laut Protokoll wurde mehr als einmal, nebst einem fünfaktigen Drama, noch ein kurzes Lustspiel zur Aufheiterung des Publikums zum Besten gegeben. Wahrlich eine grandiose Leistung!

Alle Abendunterhaltungen seit Anbeginn fanden im Saal des Restaurant Ochsen in Bänikon statt. Ab 1968 bis heute wurde der Spielort dann ins neue Schulhaus Zezikon verlegt, wo in Zukunft die Wirtschaft vom Verein geführt wurde.

Zum 25- jährigen Bestehen des Chores hatte man die Statuten um einen Artikel erweitert und damit die Ehrenmitgliedschaft für 25 Jahre Chortreue ermöglicht. Noch 5 aktive Gründungsmitglieder durften an der Jahresversammlung 1951 die Ehrenurkunde für 25 Jahre Sängertreue entgegennehmen. Ferner wurde beschlossen ein Vereinsfoto, zu bezahlen aus Vermächtnissen, von Fotograf Enz aus Weinfelden erstellen zu lassen. Eine Autoausfahrt gemeinsam mit den Frauenrundete das Jubiläum ab.

Ein ganz herber Verlust für den Chor war 1957 die Demission des Dirigenten Herr Stahl, 28 Jahre hatte er den Chor geleitet, am Anfang war er auch Präsident und Theaterleiter. Er hat Reisen vorbereitet und als Reiseführer geamtet, auch hat er die 1. Augustfeiern organisiert. Ohne die Verdienste von später Nachfolgenden schmälern zu wollen, kann gesagt werden, dass er fast 30 Jahre den Männerchor Schmidshof sehr geprägt hat. Einige noch heute aktive Sänger haben schon unter ihm, der bereits 3 Jahre nach der Gründung Dirigent war gesungen. In Lehrer Meierhans aus Zezikon wurde eine neue, tüchtige Kraft gefunden und so war der Fortbestand des Chores gesichert.

An der Jahresversammlung 1961 beschloss der Chor den Beitritt zum Kantonalverband. Es wurden dann verschiedene kantonale Sängerfeste besucht, das Bewertungssingen an diesen Anlässen hinterliess allerdings nicht immer gute Erinnerungen. 1962 wurden neue Statuten in Kraftgesetzt, 1965 dann ein neues Reisekassereglement genehmigt.

Als 1964 Lehrer Beda Dahinden aus Bettwiesen den altershalber abtretenden Meierhans ablöst, beginnt eine Zeit, die viele von uns selbst miterlebt haben. Im Jahre 1968 scheidet dann Meinrad Tschann senior als letztes Gründungsmitglied nach 44 Jahren Aktivzeit aus dem Chor aus.

Das Jubiläumsjahr 1975 rückt näher. In der Jahresversammlung 1974 wird die Anschaffung einer Vereinsfahne und die Veranstaltung eines grossen Festes abgelehnt. Hingegen wird einer vorgeschlagenen Fahrt ins Blaue, wozu auch die Sängerfrauen eingeladen sind, zugestimmt.

Im Jahre 1976 wurde unser beliebter Beda Dahinden durch einen Herzinfarkt, kurz vor der Abendunterhaltung, gezwungen sein Amt als Dirigent niederzulegen. Sein oft zitierter Spruch‚ während den Proben “ äs sötti ruhiger sii! „, wird vielen von uns unvergessen bleiben.

 Ab 1979 wurden die Proben, aus Platzgründen, ıns benachbarte Schulhaus Holzhäuser verlegt, bis wir dann, nach der Einweihung des erweiterten Schulhauses, 14 Jahre später, wieder nach Schmidshof zurückkehrten.

1981 können wir erstmals einen Sänger für 50 Jahre aktive Vereinstreue ehren: Albert Schmid aus Buch, er wird 1986 auch noch sein 55-jähriges. Jubiläum feiern können.

Im Jahre 1992 ist die Zeit reif für eine Vereinsfahne. Dank eines vor Jahren eingerichteten Fahnenfonds und nahmhafter Sponsoren kann bei Heimgartner Wil eine 8500 Franken teure Vereinsfahne in Auftrag gegeben werden. Zusammen mit der Einweihung des erweiterten Schulhauses in Schmidshof feiern wir am 29. August 1992 unsere Fahnenweihe.

Im Jahr 1996 kann zum zweiten Mal in der Geschichte des Männerchors Schmidshof ein Sänger auf 50 Jahre aktives Singen zurückblicken, es ist dies Martin Bartholdi. Nur vier Jahre später, im heurigen Jubiläumsjahr 2000, wird diese seltene Ehrung Oskar Hugentobler zuteil. Er hat ausserdem dem Verein 18 Jahre als Präsident und gleichzeitig 10 Jahre als Kassier der Reisekasse gedient. Betrachtet man das Vereinsphots von 1950 zum 25-jährigen Jubiläum, so ist da noch ein Gesicht eines noch heute aktiven Sängers zu sehen: August Häni. Er wurde schon 1942 zusammen mit elf! weiteren Kameraden in den Verein aufgenommen, war aber zwischenzeitlich 15 Jahre nicht mehr im Verein aktiv.

12 Präsidenten sind unserem Chor in seinem 75-jährigenBestehen vorgestanden:

Lehrer Engeler                  Alois Lenzlinger                Oskar Hugentobler          Lehrer Willi Stähl

Heinrich Hugentobler     Hans Reifler                      Albert Wellauer                Theophil Schwarz

Karl Moser                         Paul Wellauer                   Alfons Ruckstuhl              Niklaus Häni

Bei den Dirigenten folgten nach dem Ausscheiden von Beda Dahinden in kurzer Folge:

Walter Schmid Ruedi Helg und Vreni Werner.

1984 beginnt dann mit Eugen Hänggi wieder eine beständigere Dirigentenphase, bis er nach 8 Jahren studienhalber nach Russland zieht. Bereits auf die Abendunterhaltung 1993 hat uns dann unser geschätzter und musikalisch begabter Elias Tobler vorbereitet, möge er uns noch möglichst viele Jahre treu bleiben! Insgesamt haben 9 gewählte Dirigenten, nebst einigen Aushilfen, unseren Chor bis heute dirigiert.

Bald nach der Gründung war die Sängerzahl auf gut 20, später bis gegen 30 angewachsen, um dann nach einem Höchststand von 37 Sängern nach den Kriegsjahren, sich wieder auf dem heutigen Niveau einzupendeln. Im Moment zählen wir in unserem Chor 30 aktive Sänger.

Der Dank des Chores gilt allen hier Genannten ebenso, wie allen in diesem Bericht nicht namentlich Aufgeführten, die seit der Gründung bis heute viel für den Veren getan, und so selben Fortbestand überhaupt ermöglicht haben. Mit der Pflege der Ideale, wie sie schon unsere Väter und vereinsgründer vorgegeben haben, verflogen die Jahre bis heute. Unvergesslich bleiben die vielen schönen Reisen und Ausflüge, das Umsingen in den umliegenden Dörfern, das Spital-, Geburtstags- und Altersheimsingen, die Abendunterhaltungen und ganz wichtig natürlich auch die Pflege der Kameradschaft! Mit Mut und Zuversicht wollen wir den Schritt ins neue Jahrtausend wagen. Möge uns das gemeinsame Singen weiterhin viele schöne Stunden der Kameradschaft und Geselligkeit schenken und hoffentlich viele von uns dereinst das 100- jährige Bestehen des Männerchors Schmidshof feiern lassen!

Oppiken im August 2000

 

Euer Sängerkamerad

Walter Tschann

 

Ergänzung 

Was uns unser Sängerkamerad Walter Tschann vor 25 Jahren wünschte, ist nun in Erfüllung gegangen. Auch Walter ist noch unter uns (leider aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr als aktiver Sänger). Er konnte vor drei Jahren seine 60-jährige Vereinstreue feiern. Ebenso treu waren Hugo Schmidhauser, der 2023, und Hans Reifler, der in diesem Jahr das 60-Jährige feiern konnte.  Weitere beachtliche Jubiläen hatten in der Zeit seit der 75-Jahr-Feier, Oskar Hugentobler † (50 Jahre 2001), Karl Bartholdi (50 Jahre 2024), Karl Moser (50 Jahre 2024) und Kurt Knellwolf (50 Jahre 2025).

Am 03.07.2019, nach 93 Vereinsjahren, hat der Männerchor Schmidshof sein traditionelles Probelokal im Schulhaus Schmidshof aufgeben müssen. Der Platz wurde für die immer grösser werdenden Platzansprüche des Kindergartens benötigt. Glücklicherweise hat uns die Kirchgemeinde Leutmerken spontan die Möglichkeit geboten, ihren Pfarreisaal als neues Probelokal zu benützen. Dankbar haben wir das Angebot angenommen und sind nun, seit dem 24.07.2019, jeweils am Dienstagabend, ab 20:00 Uhr dort anzutreffen.

Der Verein durchlebte in den Jahren 2020 und 2021 turbulente Zeiten. Aufgrund der Corona-Pandemie wurden den Gesangsvereinen vom Bundesamt für Gesundheit diverse Schutzmassnahmen auferlegt. Unter anderem das Einhalten von zwei Meter grossen Abständen zwischen singenden Personen und in einem weiteren Schritt, das Tragen von speziellen Gesichtsmasken.  Auf dem Höhepunkt der Pandemie mussten wir die Gesangsproben sogar ganz einstellen. Das hatte zur Folge, dass die Durchführung des 2. Teils unserer Abendunterhaltung 2020, die Generalversammlung 2020, und die Unterhaltung 2021 ausfallen mussten. Erst im Juli 2021 konnten wir uns wieder zum gemeinsamen Singen treffen. Erfreulicherweise kamen wieder fast alle Sänger aus der erzwungenen Gesangspause ins Probelokal nach Leutmerken zurück. Auch kam der Wille zur Erneuerung auf, so genehmigten wir an der GV 2022 unsere, der heutigen Zeit angepassten, neuen Vereinsstatuten.

In den vergangenen 25 Jahren haben nachfolgende Präsidenten unseren Verein angeführt:

Niklaus Häni, bis 2007, Urban Reifler bis 2011, Thomas Diener bis 2016, Peter Strässle bis 2017 und Thomas Kiene bis … hoffentlich noch lange.

Bei den Dirigenten sah es anfänglich etwas schwieriger aus:

Elias Tobler verliess den Chor überraschend nach der 75 Jahr-Feier. Interimistisch sprangen Urban Reifler und Roman Inauen als Hilfsdirigenten ein, bis 2001 Albert Meier engagiert werden konnte. Nach 13 Jahren musste Albert altershalber den Taktstock 2014 an Andrea Gerl weitergeben, die uns bis zum heutigen Tag treu geblieben ist.

Die Zahl unser Sänger hat sich in den vergangenen Jahren leicht auf 22 Sänger reduziert. Dafür ist das Durchschnittsalter der Sänger auf über 70 Jahre gestiegen. Hoffen wir, dass diese Sänger auch noch nach der 100-Jahr-Feier freudig ihrem Hobby weiterfrönen, den Gesang geniessen und das gemütliche Zusammensein pflegen werden. Hoffen wir auch, dass wieder jüngere Mitglieder für das Weiterpflegen der nun hundertjährigen Tradition unseres Vereins gefunden werden können. In diesem Sinne wünsche ich meinen Sängerkameraden gute Gesundheit und weiterhin viel Freude am Singen.

Winter 2025, Heini Stürm